Kieler Steuerleutelehrgang

11. Kieler Steuerleutelehrgang

Knapp 20 Ruderinnen und Ruderer von der Germania, EKRC und den Schülerruderiegen Teifun und Neptun haben teil genommen. In diesem Jahr haben alle Teilnehmer erfolgreich die praktische und die theoretische Prüfung bestanden.

Bericht von Wiebke Baumgarten, EKRC

Ein kleiner Vorspann: Wie die Jungfrau zum Kinde kam ich im Frühjahr 2008 zum Rudern. Ließ ich doch gegenüber einer netten Nachbarin die Bemerkung fallen, dass ich gerne mal das Rudern ausprobieren würde. Nun, die Nachbarin heißt Frau Digutsch. Und, wie sich jedes Vereinsmitglied denken kann, dauerte es keine drei Tage und ich saß im Boot mit Hartmut und einer Ruderin, die kurz danach den Verein verließ. Ich hoffe es besteht kein Zusammenhang. Viel Spaß am Rudern, Hartmuts geduldige Einführung und die Begeisterung über die Wasserperspektive auf Kiel und Umgebung führten dazu, dass ich kurz danach in den EKRC eintrat. Auch wiederum Hartmut ist es zu verdanken, dass ich dort auf eine Reihe weiterer Ruderanfängerinnen traf, mit denen es viele nette Touren gab. Bevor ich nun endlich zum Punkt komme, möchte ich hier als „Neue“ noch hervorheben, wie sympathisch ich das Miteinander der circa dreieinhalb Generationen finde, die sich im EKRC engagieren. Ich wurde hier sehr offen aufgenommen und viele geben Tipps und Unterstützung, hier sei auch Murmel gedankt.

So, nun zum Thema. Auch hier spielte für mich wieder der Zufall eine große Rolle: Am 26. April feierten wir im Jugendraum der Kieler Schülerrudervereine die Konfirmation unseres Sohnes und als wir am nächsten Morgen den Saal aufräumen wollten, hieß es: „Die Tische könnt ihr stehen lassen, heute Abend ist Steuerleutelehrgang.“ Da ich mich an einige Situationen im Anfängerinnenboot erinnerte, wo auch mal ein bisschen herumdisskutiert wurde, ja wie geht denn das jetzt eigentlich und nie so ganz klar war, wer denn nun bestimmt und vor allem wie, entschloss ich mich spontan, unangemeldet teilzunehmen und traf dann auch zwei Ruderfreundinnen, Brigitte und Margret.

Andreas König (EKRC) begrüßte 17 Mitglieder der Kieler Rudervereine Germania, Neptun, Teifun und EKRC und hat das gegenseitige Kennenlernen durch gruppendynamische Ballspielchen auf der Terrasse wunderbar gefördert. Dann wurde es Ernst, um es kurz zu machen: Es gab zwei geballte Abende voller Theorie über Verantwortung im Boot, das Steuern von Booten, An- und Ablegen, Strömung, Wenden Anlegen bei Strömung, Verhalten gegenüber anderen Wasserfahrzeugen, die BinSchStrO, Verkehrsregeln, Verkehrszeichen, Schallzeichen, Kardinalzeichen, Überwindung von Staustufen, Bootstypen, Verhalten in Schleusen (das Wort „Drempel“ gehörte bisher nicht zu meinem Wortschatz), natürlich Befehle, Körperhaltung beim Rudern, Umgang mit Alkohol (is’ nicht) und und und. Das Ganze wurde sehr abwechslungsreich vorgetragen, medial gut unterstützt und gewürzt durch die eine oder andere heftige Geschichte über gerade noch so überwundene brenzlige Situationen. Gelernt habe ich unter anderem, dass es hier vor allem ein respekteinflößendes Wesen gibt: den Fördedampfer! Außerdem: „Kreuzwellen“, dank Gisela von Germania noch ein neues Wort in meinem Wortschatz. Karlheinz „Kalle“ Härtel (ORRC Wiking) führte uns im Schnelldurchgang in die hohe Kunst der Knoten ein. Ehrlich, wenn das in der Prüfung Thema gewesen wäre, wäre ich durchgerasselt, oder hätte noch ein paar Nachtschichten zum Üben gebraucht.

Am dritten Tag, sollte schon die praktische Steuerleuteprüfung sein und so fand sich ein Grüppchen von tapferen EKRClern und auch einem Germanen, die am Wochenende davor ein Date zum Üben hatten, leider genau bei sintflutartigen Regenfällen, so dass ich noch schnell sämtliche sich in unserem Fünfpersonenhaushalt befindliche Regenhosen holte. Leider bekam Michael keine mehr ab, er trug es mit bewundernswerter Fassung. Zwei Stunden emsigen Übens vor allem des Anlegens bei heftigem Nordostwind führten dazu, dass wir am nächsten Tag, trotz einer Aufregung wie bei der Führerscheinprüfung, einigermaßen gut aussahen, auch wenn einige Verwechslungen von Steuerbord und Backbord und „vorwärts“ und „voraus“ vorkamen, aber das war sicher nur der Vorführeffekt.

Was mir ja nun die ganze Zeit bevorstand war die Klausur, von der immer gesprochen wurde, die den krönenden Abschluss der Veranstaltung bilden sollte. Um am letzten Tag die gespannte Stimmung noch etwas anzuheizen, kam der Arzt Dr. Lars Rölver (EKRC), mit einem Vortrag zum Thema „Sofortmaßnahmen am Unfallort“ und „Unterkühlung“: Keine Chance das Thema Kentern weiterhin zu verdrängen und sehr hilfreich zu wissen, dass Wegschwimmen nicht wirklich sinnvoll ist und dass es normal ist, wenn Rippen bei Wiederbelebungsversuchen brechen!

Dann kam die Klausur, jede Menge wahnsinnig kniffliger Fragen sollten innerhalb einer Stunde beantwortet werden, Margret war erste und ich bekam noch einmal ein kleines Gespür dafür, wie es damals in der Schule so war. Danach ein Sekt in den Aussichten und einige Tage gespannten Wartens auf das Ergebnis, das öffentlich ausgehängt werden sollte. Als ich das dritte Mal in das betreffende Fenster guckte, klebte dort die Nachricht, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestanden hatten.

Fazit: Ein sehr gut vorbereiteter Lehrgang, abwechslungsreich dargestellter sehr umfangreicher Lernstoff, gutes Fachwissen aber auch viel Spaß durch Andreas und Kalle, schön, dass man mit Ruderinnen und Ruderern auch aus anderen Vereinen Kontakt bekam und dass Schüler und wir „Alten“ zusammen gelernt haben. An alle Neuen: Unbedingt machen!

Aber, eine Klausurfrage ist für mich und die anderen Frauen noch offen: „Du befindest Dich mit deinem Boot in der Mitte der Förde zwischen dem Marinehafen Wik und Mönkeberg. Sehr starker Nebel fällt ein. Welche Maßnahmen ergreifst Du als Obmann?“ Über zahlreiche Lösungsmöglichkeiten an dieser Stelle freut sich Wiebke!

Wiebke Baumgarten, EKRC